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Literaturgeschichte und Bildmedien

Internationale und interdisziplinäre Fachtagung

 

Abstracts

Achim Aurnhammer: Dichterbilder mit Martin Opitz

Im 17. und frühen 18. Jahrhundert finden sich einige bildkünstlerische Darstellungen, die Martin Opitz zusammen mit anderen Dichtern präsentieren: Dazu gehören der Kupfertitel zu Christian Dedekinds Aelbianischer Musenlust sowie Sandrarts Frontispize zur Iconologia Deorum und zur Ausgabe der Opitzischen Opera Poetica von 1689. Diese Gruppenbilder kanonisieren die Literatur des 17. Jahrhunderts insofern, als sie die Hierarchie der Barockdichter und den Vorrang von Opitz verdeutlichen. Während die Forschung bislang vor allem die Einzelporträts des Martin Opitz würdigte, möchte ich erläutern, welche ikonographische Muster in den Gruppenbildern herangezogen und verändert werden, wie durch Antike-Bezüge das translatio-Modell beliehen und wie schließlich zu Beginn des 18. Jahrhunderts der Sturz der barocken Opitz-Epigonen ins Bild gesetzt wurde.

Prof. Dr. Achim Aurnhammer: Geboren 1952 in Kirchbrombach, Studium der Fächer Germanistik, Geschichte und Italienisch an den Universitäten Heidelberg und Florenz; 1974/75 Photographische Ausbildung am Centro di Studi Tecnico-Cine-Fotografici in Florenz; 1984 Promotion in Heidelberg (Androgynie. Studien zu einem Motiv in der europäischen Literatur, 1986); 1991 Habilitation (Torquato Tasso im deutschen Barock, 1994); 1991/92 Vertretungsprofessur an der FU Berlin (Lehrstuhl Hans-Jürgen Schings); seit 1992 Ordinarius für Neuere Deutsche Literaturgeschichte an der Universität Freiburg/Br.
Forschungsschwerpunkte: Italienisch-deutsche Literaturbeziehungen, Antikerezeption, Frühe Neuzeit, Klassische Moderne (Arthur Schnitzler, Stefan George).


Hans-Joachim Backe: "The great English hero of his age…" – Alan Moores 'League of Extraordinary Gentlemen' als werkimmanente Literaturgeschichte

Spätestens seit der Veröffentlichung von Scott McClouds Understanding Comics – einem Buch, das gleichzeitig zeigt und erklärt, wie es selbst und Comics ganz allgemein funktionieren – ist unverkennbar, dass Comics sich auch für theoretische Erörterungen eignen und durchaus Raum für die Entwicklung eigener Poetiken bieten. Neben McCloud und den von ihm inspirierten Theoriecomics beschäftigen sich Comics aber auch auf ganz anderer Ebene mit Traditionen erzählender Literatur. Die Mehrzahl der selbstreflexiven Comickünstler, etwa Jean-Pierre Mathieu oder Chris Ware, legen den Schwerpunkt allerdings auf die Geschichte und die Ausdrucksmittel des eigenen Mediums im engeren Sinn und stellen die Visualität des Comics zumindest bis zu einem gewissen Grad in den Vordergrund.
Autor Alan Moore und Zeichner Kevin O’Neill haben mit ihrer seit 1999 erscheinenden Serie The League of Extraordinary Gentlemen einen anderen Weg eingeschlagen. O’Neills karikierende, häufig an William Hogarths Tableaus erinnernde Zeichnungen zeigen eine parahistorische Welt, die deutliche Züge des steampunk trägt, einer mit realen technischen Entwicklungen brechenden Darstellung historischer Epochen. Beginnend im England der 1890er, entwickelt Moore einen Erzählkosmos, in dem sämtliche Figuren der Literaturgeschichte miteinander koexistieren. Zwar gibt es einen spannungsgeladenen zentralen Handlungsstrang um die titelgebende Liga, eine Spezialeinheit des britischen Geheimdienstes, doch bereits deren Zusammensetzung koppelt Moores Text an die Literaturgeschichte an. Wenn Figuren wie Allan Quatermain, Captain Nemo und Henry Jekyll auf Professor Moriarty, Dr. Fu Manchu und die Marsmenschen H. G. Wells’ treffen, ist eine implizite Reflexion von Literaturgeschichte unvermeidlich. Moore macht die Auseinandersetzung mit der historischen Konfiguration der Prätexte aber explizit und vertieft sie im Lauf der Reihe immer weiter, wenn die Helden der Abenteuerliteratur zusehends mit hochliterarischen Charakteren wie Shakespeares Prospero und Woolfs Orlando ins Verhältnis gesetzt werden. Die Jahrhunderte umspannende Handlung wird auf diese Weise zu einer Auseinandersetzung mit der Entwicklung populärer Fiktion, Kanonbildung und dominanter Lesarten, und zwar als Bespiegelung realhistorischer Entwicklungen aus der medienspezifischen Perspektive des Comics.

Dr. Hans-Joachim Backe (Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft, Anglistik, Amerikanistik) ist Wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft der Ruhr-Universität Bochum. Seine bisherigen Buchpublikationen sind Strukturen und Funktionen des Erzählens im Computerspiel (2008), Under the Hood. Die Verweisstruktur der Watchmen (2010) und (Hg. mit Manfred Schmeling) From Ritual to Romance and Beyond. Comparative Literature and Comparative Religious Studies (2011). Seit 2010 ist er Vorsitzender des ‚Research Committee on Comparative Literature in the Digital Age‘ der International Comparative Literature Association. Seine Forschung bewegt sich zwischen Popkulturstudien, transmedialer Erzähltheorie und der Literatur des 19. bis 21. Jahrhunderts.


 

Bettina Brandl-Risi: Abbreviatur von Literaturgeschichte im/als Zitat. Zu Fragen der Kanonisierung in der Darstellungspraxis der Tableaux vivants

Anleitungsbücher zum Stellen von Lebenden Bildern aus dem späten 19. Jahrhundert lassen sich zunehmend als Versuch einer Literaturgeschichte in Tableaux vivants lesen und verschieben damit den Fokus von einem in erster Linie kunstgeschichtlich basierten kulturellen Gedächtnis auf Prozesse der Kanonbildung in der (deutschen) Literatur und in der Geschichtsschreibung im Sinne der Popularisierung einer Nationalgeschichte. Von besonderem Interesse sind hierbei Fragen der Kanonisierung und Abbreviatur von Literaturgeschichte im/als Zitat, die - gleichsam ein visueller „Büchmann“ -, in Tableaux vivants von Klassiker-Zitaten (Goethe, Schiller, Heine u.a.) resultieren und das Problem pointieren, wie das Oeuvre eines Autors ins Bild kondensiert werden kann.
Der Blick auf die kulturelle Praxis des Stellens Lebender Bilder, der im wilhelminischen Kaiserreich sowohl den öffentlichen als auch den privaten Raum festlicher Veranstaltungen prägte, erlaubt den Herstellungsprozess einer Vorstellung von Literaturgeschichte in actu zu verfolgen, die sich intermedialer Praktiken und Verfahren der Präsentifikation bedient. Die Verfügbarkeit historischen Wissens als Zitat, kondensiert in den Lebenden Bildern von Klassikerzitaten ebenso wie in der Karriere des „Büchmann“, charakterisiert eine Haltung zu Literatur und deren Geschichtlichkeit, die sich durch Abbreviatur von Ausgedehntheit und Breite der Überlieferung zum Zitat auszeichnet und deren Operation als Navigieren durch solche allgemein bekannte Abbreviaturen, die als Kanon verstanden werden, bezeichnet werden könnte. Auf der anderen Seite vermögen die intermedialen Transformationen von Literaturgeschichte in die Darstellungspraxis von Tableaux vivants und die damit verbundene Präsentifikation von Geschichtlichkeit in den lebendigen Körpern der DarstellerInnen und der Erfahrung von Kopräsenz zwischen DarstellerInnen und ZuschauerInnen, dem in der Abbreviatur verfügbar gemachten Kanon Gegenwärtigkeit zu verleihen und ihn in gesteigertem Maße als Teil der Lebenswirklichkeit der Akteure des späten 19. Jahrhunderts auszuweisen.
Zu stellen wäre nicht zuletzt dabei die Frage, inwiefern die spätbürgerliche Gesellschaft die Gültigkeit der instituierten Kanonisierungsprozesse zu befragen beginnt, indem sie die vorgestellten Zitate im Modus der Parodie inszeniert (in Titeln wie „Schiller’sche Zitate parodiert in lebenden Bildern“, 1890).

Prof. Dr. phil. des. Bettina Brandl-Risi. Nach dem Studium der Germanistik und Theaterwissenschaft in München, Mainz und Basel Tätigkeiten als Wissenschaftliche Mitarbeiterin und Lehrbeauftragte in Mainz und München und 2007 Promotion an der Universität Basel in Neuerer Deutscher Literaturwissenschaft. 2005-2010 Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Sonderforschungsbereich „Kulturen des Performativen“ an der FU Berlin sowie 2008-2011 Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Theaterwissenschaft der FU Berlin. 2008 Lehrauftrag an der Yale School of Drama, Spring Term 2010 Max Kade Visiting Associate Professor of German Studies/Theatre Arts and Performance Studies an der Brown University (Providence, RI) sowie anschließend Visiting Scholar am Department of Germanic Studies der University of Chicago. Seit 2011 Juniorprofessurin für Performance und Gegenwartstheater an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.


 

Ulrich Ernst: Literaturgeschichte und ekphrastische Lyrik. Dichterporträts von Homer bis Ronsard in G. Marinos "La Galeria"

Der Romanist Hugo Friedrich hat, befangen in Vorurteilen gegenüber der Barockliteratur und dem Manierismus, die Dichterpersönlichkeit und das literarische Werk des italienischen Autors Giambattista Marino scharf kritisiert. Statt Evaluation Analytik präferierend, soll in dem Tagungsbeitrag eine unvoreingenommene Annäherung an den Dichter des 17. Jahrhunderts erfolgen, der eine große Wirkung auf die europäische Literatur hatte. Angesichts der gegenwärtigen, medienbezogenen Diskussionen um Bild-Text-Beziehungen gewinnt vor allem Marinos Zyklus von Bildgedichten „La Galeria“ ein besonderes aktuelles Interesse. Mit seinen Porträtgedichten auf Autoren von Homer bis Ronsard in der chronologischen Folge griechischer, lateinischer und volkssprachiger Dichter entwickelt der Italiener das Konzept einer Synthese von Kunsttheorie, Poetik und Literaturgeschichte. Wie offen sein Verständnis von Kanon ist, dokumentiert die Einbeziehung von Kirchenschriftstellern, Historiographen und Rhetoren in sein ‚imaginäres Museum‘.

Prof. Dr. Ulrich Ernst (Mediävistik, Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft), Leiter der Forschungsstelle ‚Visuelle Poesie‘ an der Bergischen Universität Wuppertal. Studium in Hamburg ab 1964, Promotion in Köln 1974, Berufung nach Wuppertal 1976.


 

Michael Garval: The Conquest of Gastro-literary Space in Post-Revolutionary France

With democratization of fame in the wake of the French Revolution, writers enjoyed ever greater status.  There evolved an ideal of great writers and their work that envisioned literary stature through a metaphor of monumentality—a pervasive 'dream of stone,' that helped a nation in flux redefine itself as the promised land of letters.  It was in large measure a ‘space race,’ a drive to conquer cultural space that played out in so many ways, from jockeying for position in the burgeoning literary marketplace, to the early Third Republic craze for erecting monuments to great writers.  In parallel with these developments in the literary realm, gastronomy underwent a related evolution, with gastronomic practitioners, once considered lowly domestic help, seen increasingly as exalted creators, and with the arts of the table rivaling literature as a source of French national pride.  Literature retained the upper hand however, providing a model for the gastronomic realm, with top chefs and gastronomic writers like Grimod de la Reynière, Carême, Alexis Soyer, or Escoffier fashioning themselves as men of letters.  This presentation will focus on an emblematic comparison between Victor Hugo and Alexis Soyer, who at mid-century both used the space of exile strategically, not only to shore up their reputations—as the great French writer and the great French chef, respectively—but also to broaden the scope of their public personas, and emerge as self-styled humanitarian leaders.   In conclusion (and as we have done elsewhere with female vs. male writers), we will consider briefly to what extent the French could envision actual public monuments to culinary greats, comparable to the tributes lavished upon their literary counterparts.

Michael Garval is Associate Professor of French and Director of the Master of Arts in Liberal Studies Program at North Carolina State University; Associate Editor of the journal Contemporary French Civilization; and organizer of this year’s annual Nineteenth-Century French Studies Colloquium, on the theme “Feast and Famine,” held in Raleigh in October. Professor Garval’s research focuses on visual culture, celebrity, and gastronomy in post-revolutionary France. He is the author of ‘A Dream of Stone’:  Fame, Vision, and Monumentality in Nineteenth-Century French Literary Culture (University of Delaware Press, 2004), named an “Outstanding Academic Title” by Choice magazine, and most recently of Cléo de Mérode and the Rise of Modern Celebrity Culture (Ashgate, 2012). Today’s talk is drawn from his new book project, tentatively titled, A Feast for the Eyes: Gastronomy and Visual Culture in Post-Revolutionary France.


 

Peter Goßens: Artefakt und Repräsentation. Zur Funktion von Abbildungen in Weltliteraturgeschichten des 19. und frühen 20. Jahrhunderts

Die Einsatz von Bildmedien in didaktischen Werken der Literaturwissenschaft scheint heute selbstverständlich: Gerade jüngere Werke visualisieren ihre Argumentation gerne durch einschlägige Bildbeispiele. Diese Form der bebilderten Literaturgeschichte hat keine sonderlich lange Tradition: ›Bild‹, ›Museum‹ und ›Denkmal‹ sind Begriffe, die vor allem in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts oft als rein textuelle Repräsentanten eines bestimmten literarischen Diskurses bezeichneten. Andererseits finden sich in Gesamtausgaben immer wieder Vignetten des Dichters bzw. von Szenen aus den edierten Werke; auch werden umfangreichere Nachschlagewerke immer wieder durch eigenständige Bildbände ergänzt.
Erst im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts werden auch Literaturgeschichten zunehmend illustriert. Die zahlreichen farbigen wie schwarzweißen Abbildungen zeigen dabei nicht nur Autorenporträts, sondern auch Handschriften und andere Artefakte der Schriftkultur, die nicht nur der kuriosen Unterhaltung der jeweiligen Leser dienen. Denn als Repräsentanten einer bestimmten kultureller Entwicklung unterstützen die Medien zum einem komplexe bzw. dem abendländischen nicht unbedingt zugängliche Argumentationen, zum anderen nutzen sie Artefakte wir Porträts, Abbildungen von Büsten, Denkmalen und Totenmasken, sowie Faksimiles von Handschriften, um den besprochenen Autor bzw. das Werk auch auf einer performativen körperlichen Dimension vorzustellen. Die Literaturgeschichten bringen auf diesem Weg den Leser einen Teil dichterischer Aura an den heimischen Kachelofen.
Der Vortrag möchte verschiedene Modelle illustrierter Literaturgeschichten vorstellen. Ein besonderer Schwerpunkt soll dabei zum einen auf der Frage nach dem medialen Bruch zwischen rein textbasierten und bebilderten Werken liegen und zum anderen die Frage stellen, welche Funktion die Abbildungen in den verschiedenen Beispielen haben.

PD Dr. Peter Goßens, geb. 1966 in Moers, studierte Vergleichende Literaturwissenschaft, Neuere Germanistik und Italianistik an den Universitäten Bonn und Pisa. 1998 Promotion über ›Paul Celans Ungaretti-Übersetzung‹ (Heidelberg 2000). Habilitation (2011) über ›Weltliteratur. Modelle transnationaler Literaturwahrnehmung im 19. Jahrhundert‹ (Stuttgart 2011). Mitarbeit an den Ausstellungen ›»Fremde Nähe« – Paul Celan als Übersetzer‹ (Deutsches Literaturarchiv, Marbach am Neckar 1997) und ›Displaced. Paul Celan in Wien (1947/1948)‹. 1998 bis 2004 Wissenschaftlicher Assistent am Institut für Komparatistik der Westfälischen Wilhelms-Universität, Münster. Seit 2006 Wissenschaftlicher Mitarbeiter (Akademischer Rat) in der Abteilung für Komparatistik der Ruhr-Universität Bochum.


 

Gunter E. Grimm: „Die Idee, ich hätte so ausgesehen...“ Goethe-Bilder in den Medien des 19. und 20. Jahrhunderts

Als leitendes Prinzip von Goethes Weimarer Inszenierungsstrategie lässt sich der Wille erkennen, die gesellschaftliche Integrierung in die Hofhierarchie mit seiner Schriftstellertätigkeit in Einklang zu bringen. Was Goethe dabei anderen vorspielte, bewusst oder unbewusst, diente auch dem Zweck des Selbstschutzes und der Selbsthilfe. In seiner Doppelfunktion als Staatsmann und als Künstler hat Goethe die Rolle des Repräsentanten für sich erarbeitet. Als Minister repräsentierte er die Regierung des Weimarer Hofs; als Künstler repräsentierte er den Mann des Maßes und der Humanität. Das Rollenmuster des Repräsentanten hatte in der bürgerlichen Gesellschaft bisher noch nicht existiert und wurde von Zeitgenossen und Nachfolgern oft unreflektiert aufgegriffen. Die Selbstinszenierung als Repräsentant war die Form, mit der er seine Kommunikation organisieren und steuern und damit seine Dominanz im ‚literarischen Feld‘ erhalten wollte. Als Instrument zur Verbreitung dieses Rollenmodells hat Goethe sich bewusst und bereitwillig der Bildenden Kunst bedient, die damals die Aufgaben der public relations wahrnahm. Goethe war die Art und Weise der Darstellung keineswegs gleichgültig. So kommentierte er Alexander Trippels „im anticken Stil“ gefertigte Büste von 1787, die Goethes Kopf in der „Form eines Apollo Kopff“ idealisiert, mit den Worten: „Meine Büste ist sehr gut geraten; jedermann ist damit zufrieden. Gewiß ist sie in einem schönen und edlen Stil gearbeitet, und ich habe nichts dagegen, daß die Idee, ich hätte so ausgesehen, in der Welt bleibt.“
Goethe war sicher der meistgeschilderte Autor seiner Zeit, wie die Biedermannsche Sammlung dokumentiert. Doch auch Gemälde und Statuen spielten bei Goethes Selbstinszenierung eine bedeutsame Rolle. Sie haben unser ‚Bild‘ von Goethe geprägt. Es ist belegt, dass verschiedene Künstler, denen Goethe Modell gesessen hat, seine Wünsche berücksichtigt bzw. nachträgliche Änderungen vorgenommen haben. Das Bild einer Person, das sie von sich zu geben wünscht, ist bereits Teil einer Projektion – eine Autoprojektion gewissermaßen. Bei Goethe findet sie sich in der Autobiographie und in allen persönlichen Dokumenten wie Briefen und Tagebüchern. Das Bild, das andere Personen von ihr überliefern, ist ebenfalls Teil einer Projektion – eine Heteroprojektion. In den Porträtbildern und -statuetten treffen beide Intentionen zusammen. Sie sind Inszenierungen, in denen der Wunsch, wie Goethe sich selbst sehen bzw. gesehen werden wollte, und der Wunsch, wie andere ihn sehen wollten, zur Synthese geriet.
Nach Goethes Tod begann die Phase, in der dem Dichter Denkmäler errichtet wurden, die sich an eben diesen zu Lebzeiten gemalten Bildnissen oder modellierten Büsten orientiert haben. Dabei ist, dem Auftrag des Denkmals korrespondierend, der Hang zum Monumentalen, zum Kolossalen und zur Glorifizierung unverkennbar. In gewisser Weise führen sie die von Goethe selbst gestiftete Form des Repräsentativen fort und schaffen damit eine bürgerliche Tradition der Künstler-Apotheose. Der Vortrag soll an ausgewählten Beispielen analysieren, wie das von Goethe angelegte Selbstbild sich zu verselbständigen beginnt und wie – vor allem in den der Verehrung und der Verbreitung dienenden Medien (Goethe-Denkmäler, Postkartenserien, Illustrationen in populären Literaturgeschichten) – das Bild vom ‚Olympier‘ Goethe etabliert wird. Der Hang zur eindimensionalen Glorifizierung ist im Übrigen eine im Kaiserreich und vor allem im Wilhelminismus dominante Tendenz, der alle ‚Geistesriesen‘ unterworfen waren. Sie lässt sich als Ausdruck eines in dieser Epoche ausgeprägten heroischen Denkens (Wagner, Nietzsche u.a.) deuten.

Gunter E. Grimm war vor seiner Emeritierung Inhaber des Lehrstuhls für neuere deutsche Literatur an der Universität Duisburg-Essen. Studium der Germanistik und Geschichte, 1970 Promotion, 1981 Habilitation; 1983-1987 apl. Professor an der Universität Tübingen; 1988-1994 Professor an der Universität Würzburg; 1994-2010 Lehrstuhl an der Universität Duisburg (seit 2003 Universität Duisburg-Essen), seit 2006 mit Sitz in Essen. Arbeitsschwerpunkte: Literatur der Aufklärung; Wissenschafts- und Mentalitätsgeschichte; Deutsch-ausländische Literaturbeziehungen; Schriftstellerinszenierungen; Geschichte der deutschen Lyrik; Rezeption des Nibelungenstoffs. Kleine Auswahl der Publikationen: Rezeptionsgeschichte. Grundlegung einer Theorie. München: Fink, 1977. Lessing. Epoche – Werk – Wirkung. Ein Arbeitsbuch für den literaturgeschichtlichen Unterricht. Von W. Barner, G. Grimm u. a. München: C.H. Beck, 1975; 6. Aufl. 1997. Literatur und Gelehrtentum in Deutschland. Untersuchungen zum Wandel ihres Verhältnisses vom Humanismus bis zur Frühaufklärung. Tübingen: Niemeyer, 1983. „Ein Gefühl von freierem Leben“. Deutsche Dichter in Italien. Von G. Grimm in Zusammenarbeit mit U. Breymayer und W. Erhart. Stuttgart: Metzler, 1990. Letternkultur. Antigelehrtes Dichten und Wissenschaftskritik zwischen Renaissance und Sturm und Drang. Tübingen: Niemeyer, 1998. Im Zeichen Hiobs. Jüdische Schriftsteller und deutsche Literatur im 20. Jahrhundert. Hrsg. von G.G. und Hans Peter Bayerdörfer. Mit 17 Einzelbeiträgen. Königstein: Athenäum, 1985. 373 Seiten. 2. Aufl. 1987. Deutsche Dichter. Leben – Werk – Wirkung. Hrsg. von G. G. und F. R. Max. 8 Bände. Stuttgart: Reclam, 1988-1990. Annäherungen. Wahrnehmung der Nachbarschaft in der deutsch-niederländischen Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts. Hg. von Wilhelm Amann, G. E. Grimm und Uwe Werlein. Münster: Waxmann Verlag, 2004 (= Studien zur Geschichte und Kultur Nordwesteuropas. Hg. von Horst Lademacher, Bd. 10). Schriftsteller-Inszenierungen. Hrsg. von Gunter E. Grimm und Christian Schärf. Bielefeld: Aisthesis Verlag, 2008. Zahlreiche Aufsätze, Essays, Feuilletons, Miszellen, Rezensionen, Fernsehkritiken u.a.m.


 

Sabine Haupt: Gruppenbild mit Klassikern. Max Ernst und sein Gemälde "Au rendez-vous des amis" (1922)

Der Vortrag mit dem Titel „Gruppenbild mit Klassikern. Max Ernst und sein Gemälde ,Au rendez-vous des amis‘ (1922)“ beschäftigt sich mit Kontext und Bedeutung des 1922, d.h. am Übergang von Dadaismus und Surrealismus, entstandenen Ölgemäldes von Max Ernst. Analog zu dem von André Breton 1924 publizierten „Manifeste du surréalisme“ wird hier im Bildmedium ein Gründungsmythos inszeniert, bei dem die Faszination für einzelne Personen der Literaturgeschichte eine ebenso große Rolle spielt wie die Idee einer überpersönlichen, kollektiven Kreativität.

Sabine Haupt, geb. 1959 in Gießen, Lehr- und Forschungsrätin (MER) am Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft an der zweisprachigen Universität Fribourg (CH). Titularprofessorin, Privatdozentin, Dr. ès Lettres; Studium der Germanistik, Philosophie und Theaterwissenschaft in München und Genf; Promotion WS 1993 mit einer Arbeit über Ludwig Hohl, Habilitation WS 2000 mit einer Studie zur deutschen Romantik. Seit 1987: wissenschaftliche Assistentin, Lehrbeauftragte und Gastprofessorin an den Universitäten Genf, Lausanne, Fribourg, Bern und Basel; drei mehrjährige Forschungsbeiträge des Schweizerischen Nationalfonds. Publikationen zur europäischen Literatur des 19. bis 21. Jahrhunderts, zur Schweizer Moderne, zum Verhältnis von Literatur und optischen Medien sowie von Literatur und Naturwissenschaften; außerdem zahlreiche Arbeiten für Presse, Rundfunk und Fernsehen.


 

Achim Hölter: Ikonobiographie – Lebenswerkbild – A Life’s Work in One Picture. Skizze einer Bildgattung

Ein bisher unbeschriebenes ikonographisches Genre ist das Lebenswerk-Bild. Es vereinigt die Bildgattung des Autorporträts mit diversen Verfahren der Literatur-/ Dramenadaption und floriert vor allem im 19. Jahrhundert als Hybridform reprographischer Techniken wie Stahlstich und Lithographie. Sein Sujet ist gemeinhin ein Künstler, meist ein Dichter oder auch Komponist, umgeben von Repräsentanten seines Œuvres. Von Goethe bis Schiller, Cervantes bis Shakespeare, Manzoni bis Dickens reicht das Spektrum der ‚Höhenkamm‘autoren, die in einem entsprechenden Bildmonument verewigt wurden, als Frontispiz einer Werkausgabe oder auch als Einzelblatt.

Das typische Lebenswerk-Bild umgibt ein zentral arrangiertes Porträt des betreffenden Autors, z.B. in einer Schreibtischsituation, mit einem Kreis oder jedenfalls einer lückenlosen Serie von Einzelbildern oder Medaillons, in denen Szenen aus seinen berühmtesten Werken abgebildet sind. Nicht selten wird diese metonymische Formulierung für den Künstler inmitten seines Gesamtwerks noch einmal metonymisiert, indem an die Stelle von Szenenzitaten nur die gleichsam selbständig gewordenen Figuren aus den fiktionalen Texten treten. In der französischen Publizistik des späteren 19. Jahrhunderts begegnet der Bildtypus auch in der Variante der „photobiographie“. Im Horizont der Erforschung literaturhistoriographischer Bilddiskurse zeichnen sich als Hauptfunktionen des Lebenswerk-Bildes ab: memoriale Vermittlung von Literatur- oder Musikgeschichte, Vertiefung einer schon vorhandenen Kanonizität, deren Bestätigung und Verbreitung sowie eine Vulgarisierung im Rahmen der Populärkultur. Das Nachleben der Bildgattung im 20. und 21. Jahrhundert überschreitet die Grenzen zu Nachbarkünsten und nutzt weitere technische Optionen.

Beispiele: Friedrich Schiller und Wilhelm Hauff

Achim Hermann Hölter ist Professor für Vergleichende Literaturwissenschaft an der Universität Wien. 1980-85 Studium der Germanistik, Mediävistik, Philosophie, Romanistik und Allgemeinen Literaturwissenschaft an den Universitäten Wuppertal und Düsseldorf. 1985 Magister artium, 1988 Promotion, 1991-93 Habilitandenstipendium der DFG in Paris, London, Pavia, 1993 Habilitation für Komparatistik und Deutsche Literaturgeschichte an der Bergischen Universität Wuppertal, 1994-95 Vertretungsprofessur an der Universität Bochum, 1995-97 Heisenberg-Stipendium der DFG an der Universität Bonn, 1997-2009 Lehrstuhlinhaber für Komparatistik an der Universität Münster. 2005-2011 Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft (DGAVL). Schwerpunkte: Romantikforschung, Themen- und Diskursforschung, Kunst- und Literaturhistoriographie, Ritualisierungen der Literatur, Ästhetische Selbstreferenz, Supramediale Ästhetik - Comparative arts, Internationale Rezeptionsgeschichte und Kanonforschung. Zahlreiche Aufsätze zur deutschen und internationalen Literaturgeschichte; Bücher u.a.: Die Bücherschlacht (Bielefeld 1995); (Hg.): Marcel Proust. Leseerfahrungen deutschsprachiger Schriftsteller von Theodor W. Adorno bis Stefan Zweig (Frankfurt/M. 1998); Frühe Romantik - frühe Komparatistik. Gesammelte Aufsätze zu Ludwig Tieck (Frankfurt/M. 2001); (Hg. mit Volker Pantenburg u. Susanne Stemmler): Metropolen im Maßstab. Literarisches und filmisches Erzählen mit dem Stadtplan (Bielefeld 2009), (Hg. mit Monika Schmitz-Emans): Wortgeburten (Heidelberg 2009). (Hrsg. mit Lothar Bluhm): Produktive Rezeption. Beiträge zur Literatur und Kunst im 19., 20. und 21. Jahrhundert (Trier 2010). (Hrsg.): Comparative Arts. Universelle Ästhetik im Fokus der Vergleichenden Literaturwissenschaft (Heidelberg 2011). (Hrsg. mit Rüdiger Zymner): Handbuch Komparatistik. Theorien, Arbeitsfelder, Wissenspraxis (Stuttgart/ Weimar 2013).


Philippe Kaenel: Classics of literature illustrated: Gustave Doré and Rabelais

Gustave Doré (1832-1883) is probably the most famous illustrator of his time. But he was also a brilliant watercolourist, a productive painter and astonishing sculptor. The impressive scope of his work is soon to be presented in retrospective exhibition in 2014 (Musée d'Orsay, Paris / National Gallery of Canada, Ottawa). The exhibition will of course devote a central chapter to the power of Doré's literary imagination. The French artist had planned to illustrate most of the classics of literature and designed major texts such as the Bible, and works of Dante, Milton, Cervantes, Perrault, La Fontaine, the Ariosto, Balzac, Coleridge, Tennyson, Poe, etc. Rabelais' work has a very special place in this ambitious program. Doré first illustrated Rabelais in 1854 before making his decision to produce large in-folios collecting the masterpieces of european literature. The first modest but utterly excentric rabelaisian publication, filled with phantasmagorical visions of the past was reworked almost twenty years later for the two spectacular volumes published by Garnier Frères in Paris (1873). The archives an documents relating to this enterprise (sketches, woodblocks, contract, posters, watercolours...) give an rich and exemplary insight on the history of literature and its relations to medias in the nineteenth century.

Philippe Kaenel is professor of contemporary art at the University of Lausanne. His dissertation is entitled Le métier d'illustrateur 1830-1900. Rodolphe Töpffer, J.-J. Grandville, Gustave Doré (1995, new pocket edition, 2004). He contributed to books on poster art (Autour de l'électricité. Un siècle d'affiche et de design, 1990), on art criticism (Critiques d'art de Suisse romande. De Töpffer à Budry, 1993), on the caricature of Napoleon (Napoleon in the Mirror of Caricature, 1998), on political graphics (Les révolutions de 1848: l'Europe des images, 1998; 1848: le carrefour suisse: le pouvoir des images, 1998), on Swiss and European art (e.g. Eugène Burnand, peintre naturaliste, 2004, new revised edition 2006, Théophile-Alexandre Steinlen (1859-1923). L’œil de la rue in 2009). He has also written various studies in iconography (e.g. on Antonio Fontanesi, J. H. Fuseli, Ferdinand Hodler, Balthus, Théophile-Alexandre Steinlen,..), on photography (Man Ray, Hans Steiner. Chronique de la vie moderne, 2011...), engraving and the graphic arts, and has co-edited several books : Bédé, ciné, pub et art : d’un média à l’autre in 2006, Salvador Dali à la croisée des savoirs (2006), The Print in the 18th and 19th Century. Exchanges, Histories, Reproduction (2006), Les images en guerre : de la Suisse à l’Europe (2007), Jésus en représentations: de la Belle Epoque à la Postmodernité (2011), Neige, blanc, papier : poésie et arts visuels à l’âge contemporain (2012). He has curated various exhibitions and is working on several projects; a history of caricature in Switerland, a history of the photography still-life and a history of artists's books in Switzerland. He is now curating the Gustave Doré restrospective exhibition in Paris (Musée d'Orsay) and Ottawa (National Gallery of Canada) which will take place in 2014.


 

Susanne Knaller: Bilder einer Geschichte. Bilder zu einer Geschichte. Visualisierung und Narrativisierung von Literatur in Fotografie und Comic

Ich möchte von einer Polyvalenz des Geschichtsbegriffs ausgehen und daran Überlegungen zu Fragen des Erzählens mit Bildern anknüpfen. Dabei stehen vor allem die Differenzen der beiden Medien Fotografie und Comic und ihre Funktionen im Kontext des Tagungsthemas im Zentrum. Nach einem theoretischen Teil mit Reflexionen zum Erzählen sowie zum Verhältnis von Bild und Narration (mit einem Schwerpunkt auf Fotografie) wird an ausgewählten Beispielen der sowohl Wissen als auch Affekt befördernde Einsatz von Fotografie und Comic in der Literaturgeschichtsschreibung analysiert.

Susanne Knaller ist seit 2002 Professorin für Romanistik und Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft am Institut für Romanistik der Universität Graz. Forschungsschwerpunkte: Ästhetische Theorien (18. bis 20. Jahrhundert), Theorien der Allegorie, Geschichte und Theorie des Begriffs Authentizität, Realitätskonzepte in der Moderne. Neuere Publikationen u. a.: Zeitgenössische Allegorien. Literatur, Kunst, Theorie (2003); (Hg. mit Harro Müller) Authentizität. Diskussion eines ästhetischen Begriffs (2006); Ein Wort aus der Fremde. Geschichte und Theorie des Begriffs Authentizität (2007); (Hg.) Realitätskonstruktionen in der zeitgenössischen Kultur. Beiträge zu Literatur, Kunst, Fotografie, Film und zum Alltagsleben (2008); (Hg. mit Harro Müller), Realitätskonzepte in der Moderne. Beiträge zu Literatur, Kunst, Philosophie und Wissenschaft (2011). (Hg. mit Doris Pichler), Literaturwissenschaft heute. Gegenstand – Positionen – Relevanz (2013). Realität und Wirklichkeit in der Moderne. Texte zu Literatur, Kunst, Fotografie und Film (Datenbank 2012/13).


 

Fabian Lampart: Der Mann, „Die Manns“. Visualisierung als Popularisierung literarhistorischer Revisionsprozesse

Anhand von Heinrich Breloers Doku-Drama Die Manns (2001) soll exemplarisch die Revision von Rolle und Funktion des Autors Thomas Mann im deutschsprachigen literarischen Leben der letzten Jahre untersucht und mit den parallel verlaufenden Prozessen der Um- und Neubewertung Heinrich und Klaus sowie Erika Manns verglichen werden. In den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts war Thomas Mann zumindest im Kontext der deutschsprachigen Literatur sowohl politisch-kulturell als auch literarisch mit eher negativen Charakteristika konnotiert, besonders seit den 1970er Jahren rückte demgegenüber Heinrich Mann in den Vordergrund. Besonders deutlich wird das, wenn man nach Thomas Manns Relevanz für Autoren der 1970er und 1980er Jahre fragt. Andererseits lässt sich gerade bei jüngeren Autoren seit den 1990er Jahren eine deutliche Aufwertung Thomas Manns feststellen, die sowohl eine positiv veränderte Sicht auf den Autor und seine Texte als auch auf seine Darstellungs-, Vermarktungs- und Stilisierungsstrategien mit sich brachte. Anhand von Heinrich Breloers Doku-Drama soll die Semantik dieses Revisionsprozesses herausgearbeitet werden, zum anderen aber die damit eng verbundene, gleichfalls seit den 1990er Jahren intensivierte Wahrnehmung der Familie Mann – im Spiegel (51/2001) war von den „Windsors der Deutschen“ und von der „raffinierte[n] Heiligsprechung einer Ausnahme-Familie“ die Rede – im literarischen und kulturellen Leben Deutschlands reflektiert werden. Abschließend wird die Relation zwischen bildmedial revidierter Autorschaft und literarischem System angesprochen. Kann man das Doku-Drama als Popularisierung und möglicherweise als Intensivierung bereits bestehender literarhistorischer Diskussionszusammenhänge verstehen, oder ist umgekehrt die Generierung „der Manns“ ein zunächst eher medial motivierter Vorgang?

Fabian Lampart; akad. Rat a.Z. und derzeit Professurvertreter am Deutschen Seminar der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i. Br.; weitere Professurvertretungen, u.a. an den Universitäten Heidelberg und Mainz; 2005–2007 Feodor-Lynen-Stipendiat der Alexander von Humboldt Stiftung an der Universität Oxford; Buchveröffentlichungen in Auswahl: Zeit und Geschichte. Die mehrfachen Anfänge des historischen Romans bei Scott, Arnim, Vigny und Manzoni (2002, Dissertation); Engagierte Literatur in Wendezeiten (2003; Hrsg. zus. mit Willi Huntemann, Małgorzata Klentak-Zabłocka, Thomas Schmidt); Schreiben am Schnittpunkt. Poesie und Wissen bei Durs Grünbein (2007; Hrsg. zus. mit Kai Bremer, Jörg Wesche); Metamorphosing Dante. Appropriations, Manipulations, and Rewritings in the Twentieth and Twenty-First Centuries (2010; Hrsg. zus. mit Manuele Gragnolati, Fabio Camiletti); Figurenwissen. Funktionen von Wissen bei der narrativen Figurengestaltung (2012; Hrsg. zus. mit Lilith Jappe, Olav Krämer); Nachkriegsmoderne. Transformationen der deutschsprachigen Lyrik zwischen 1945 und 1960 (ersch. im Januar 2013, Habilitationsschrift).


 

Sigrid Nieberle: Schreibsequenz – Schriftsequenz: Literaturgeschichten im neueren Biopic

Die internationalen Produktionsquoten der Filmbiographie steigen nach einer längeren Krise seit den 1990er Jahren erneut stetig an und weisen in den letzten Jahren einen beständigen Ausstoß an Spielfilmen auch über Autorinnen und Autoren der west- und osteuropäischen und amerikanischen Literaturgeschichte auf. Das hybride Genre des literary biopic verhandelt darin zuallererst Modelle von Autorschaft, z. B. kommerziell besonders erfolgreich an der Figur ,Shakespeare‘ (singulär/kollektiv, anonym/prominent, filmisch/literarisch etc.). Auch die Kanonfunktion dieses Genres ist kaum zu überschätzen, speist es doch regelmäßig Werktitel, Zitate, Plots in das kulturelle und speziell das literarhistorische Gedächtnis der westlichen Gesellschaften ein. Im Zuge eines biographistischen Zirkelschlusses werden dabei vorgeblich Werkgenese und sozialgeschichtliche Kontexte rekonstruiert, so dass die Autoren zu ihren eigenen Figuren werden und umgekehrt („Becoming Jane“, „Goethe!“). Zugleich verhandelt das literary biopic verschiedene Kreativitätsmodelle, die filmische Literaturgeschichte als eine Aneinanderreihung devianter Subjekte und ihrer Textproduktionen
fortschreibt. Diese Devianzen können auf einem Kontinuum zwischen psychopathologischer Bedenklichkeit (Sucht, Angst, Depression, Demenz) und weniger Besorgnis erregenden Begehrensmustern (Verliebtheit, Liebeskummer, Homosexualität) angesiedelt sein. Die Alterität des auktorialen Subjekts und seine außergewöhnliche Kreativität lassen die Zuschauer möglicherweise auf die außergewöhnliche Qualität der literarischen Texte schließen. Lediglich exemplarisch können die für das Genre obligatorischen Schreibsequenzen das Werk in Szene setzen. Mit diesen Schreibsequenzen konkurriert medial die filmische Schriftsequenz, die das Erzählte historisch etikettiert und damit historiographisch einordnet.
Im narrativen Raum dieser Mediendifferenz, so die These des Vortrags, entstehen die Literaturgeschichten des Kinos, die bekanntlich international produziert und rezipiert werden. Als anachronistisch mag es zunächst erscheinen, nach den filmwirtschaftlich globalisierten Residuen der Nationalliterarischen in diesem Filmkorpus fragen. Zwar bedient man sich im
Biopic häufig der Codierungen anderer Filmgenres, etwa des Melodrams, des Gerichtsfilms, des Historiendramas u.a.m., aber auch älterer Bild- und Schriftmedien. Aber es scheint unabhängig von intermedialen und internationalen Aspekten auch immer (noch) national spezifische Aspekte zu geben. Dies legt zumindest der Ansatz von Andrew Higson nahe, der für die Jahre 1990-2010 von spezifischen „Brit lit bio-pics“ spricht. Es empfiehlt sich m.E. jedoch, diesbezüglich nicht nur auf die Interpretation populärkultureller Stereotypen und mentalitätsgeschichtlicher Aspekte abzustellen. Vielmehr wird es auch interessant sein, die identitätskonstitutiven Konzepte des Nationalen in Bezug auf die behauptete Alterität konkret anhand der Schrift- und Schreibsequenzen zu analysieren. Hierfür werde ich vor allem Filmpaare aus unterschiedlichen Produktionszusammenhängen heranziehen, die sich derselben Autorfigur widmen (Brüder Grimm, Capote, Sade, Shakespeare). Ob sich die Nationalliteratur auch im Autorinnenfilm zeigen wird, soll eine gender-basierte Gegenprobe zeigen (Austen, Nemcova, Plath, Potter, Woolf).

Sigrid Nieberle, Dr. phil. habil., ist Professorin für Neuere deutsche Literaturwissenschaft an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Studium der Neueren deutschen Literatur, Musik- und Theaterwissenschaften in München und Wien. Doktorandin am
Graduiertenkolleg „Geschlechterdifferenz & Literatur“ der LMU München (Promotion 1997), Postdoc am Graduiertenkolleg „Technisierung und Gesellschaft“ der TU Darmstadt. Wissenschaftliche Assistentin am Lehrstuhl für Deutsche Literatur und Literaturtheorie der Universität Greifswald (Habilitation 2006). Forschungsschwerpunkte: Intermedialität/ Intertextualität, Literatur und Musik, Filmbiographien, Biographik, Autorschaftskonzepte, Gender Studies.


Hubert Roland: Konstruktion einer deutschen Kultur- und Literaturgeschichte in Comic-Projekten von David Vandermeulen: Fritz Haber, Faust

Der belgische Comic-Autor David Vandermeulen (1968-) konstruiert in unterschiedlichen literarischen Projekten eine „Biographie der deutschen Geschichte“, die er über „exemplarische Gestalten“ mit Text und Bild darstellt. Dabei inszeniert er auch fließende Grenzen zwischen Geschichte und Mythen, indem etwa der Chemiker Fritz Haber, den Vandermeulen zum Gegenstand einer Art graphic novel in mehreren Bänden macht, als „faustisches Schicksal“ verkörpert wird. Den Faust selbst hat der Autor zum Thema einer anderen Comic-Adaptation gemacht.
Der Beitrag untersucht die Modalitäten dieses sämtlichen assoziativen und narrativen Vorgangs, den Vandermeulen mit vielen historischen und kulturgeschichtlichen Kenntnissen dokumentiert bzw. fundiert. Hiermit entsteht nicht nur eine alternative Geschichtsschreibung, sondern auch eine als hetero-image konzipierte deutsche Kultur- und Literaturgeschichte, bei der Mythen und Archetypen mit prägnanter visueller Anschaulichkeit vermittelt werden.

Hubert Roland ist maître de recherches des belgischen Fonds National de la Recherche Scientifique (FNRS) und Professor für deutsche Literatur und komparatistische Literaturwissenschaft an der Université catholique de Louvain (UCL). Humboldt-Stipendiat an der Philipps-Universität Marburg (1998-1999) und an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (2009). Aktuelle Forschungsschwerpunkte: Deutsch-belgische Kulturtransfers im 19. und 20. Jahrhundert; deutsche und transnationale Literaturgeschichtsschreibung; der magische Realismus in der deutschen und europäischen Literatur. Monographien: Die deutsche literarische „Kriegskolonie“ in Belgien 1914-1918 (Peter Lang, 1999), Leben und Werk von Friedrich Markus Huebner (1886-1964). Vom Expressionismus zur Gleichschaltung (Waxmann, 2009). Zuletzt Mitherausgeber von Deutschlandbilder in Belgien 1830-1940 (mit Marnix Beyen & Greet Draye; Waxmann, 2011).


 

Keyvan Sarkhosh: Die Macht der Filmbilder: Literaturgeschichte(n) und visuelle Evidenz im Kontext des populären Buchmarktes

Im letzten Jahrzehnt ist eine nahezu unüberschaubare Flut von Lektüreratgebern und 'Klassiker'-Übersichtsbüchern erschienen, die sich vorrangig an ein interessiertes Laienpublikum wenden. Gemein ist diesen Büchern, daß sie um ein hohes Maß an Lesefreundlichkeit bemüht sind, das sich neben einer leichtverständlichen, auf das anvisierte – und das heißt eben dezidiert nicht-akademische – Zielpublikum zugeschnittenen Sprache vor allem auch in der Gestaltung und dem Layout ausdrückt. Dazu gehören beispielsweise überblicksartige 'Faktenseiten', Infokästen mit Schlagworten, tabellarische Übersichten und insbesondere eine mehr als reichhaltige Bebilderung. Dabei ist vor allem ein Trend auffällig: neben Autorenphotos und -portraits sowie Titelblattreproduktionen von Ausgaben dienen vor allem Standbilder aus Verfilmungen als Illustration.
Im Vortrag soll dargelegt werden, welche Rolle insbesondere die Bebilderung mit Standbildern bzw. Stills aus Verfilmungen literarischer Werke für populäre literaturgeschichtliche Darstellung spielt. Die Argumentation geht dabei in die Richtung, daß diese Filmbilder nicht allein dazu dienen, die Motivation und Suggestivkraft dieser Bücher und Buchreihen zu steigern, sondern daß sie als Beleg für eine spezielle visuelle Evidenz gewertet werden können, die sich mit der Imagination des Rezipienten verbindet und dadurch ein Narrativ entwickelt, das vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Medienpluralität und -konkurrenz eine subjektiv gefärbte, hybridisierte Literatur-Film-Geschichte erzählt, in welcher der Status und der Ort der Literatur immer diffuser werden.

Keyvan Sarkhosh, M.A., Studium der Komparatistik, Philosophie und Ethnologie an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. 2006 Magister Artium mit einer Abschlußarbeit über Photographie – Bildergeschichte – Film. Ein struktureller Vergleich ihrer narrativen Möglichkeiten vom 19. bis zum frühen 20. Jahrhundert. 2006-2009 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Komparatistik des Germanistischen Instituts der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. 2008-2011 Sekretär der Deutschen Gesellschaft für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft (DGAVL). Seit 2009 Universitätsassistent (Praedoc) in der Abteilung für Vergleichende Literaturwissenschaft der Universität Wien. Dissertationsprojekt: 'Cinema of Disintegration'. Zum Problem filmischer Narration und Weltkonstitution bei Nicolas Roeg (Arbeitstitel).


 

Monika Schmitz-Emans: Literaturgeschichte im Comic

Since the 1940s, comics and graphic novels are recurrently functionalised as a device to inform their readers about the history of literature or specific subjects of knowledge concerning literary history. Later examples often implicitly refer to the concept of the early "Classics Illustrated" series as a pioneer - sometimes, however, in a parodic and ironical way. There is a wide range of respective formats, and it is continuously broadened and opened up to new arrangements. Sketches of different examples will illustrate this. Already in the "Classics Illustrated" series, the paratexts form an interesting part of the entire arrangement, as they can be read as reflections of the artists’, the scenarists’ and the publishers’ ideas about the pre-conditions and effects of representing facts of literary history via graphic storytelling. In more recent examples, the artists often play with paratextual formats in an ironical and sometimes refined way, thus creating exlicitly self-referential graphic narratives – and at the mean time reflecting about conceptualizations of world literature.

Monika Schmitz-Emans ist seit 1995 Professorin für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Ruhr-Universität Bochum. Sie studierte Germanistik, Philosophie, Italianistik und Pädagogik in Bonn. 1984 Promotion in Germanistik zu Jean Pauls Ansätzen zu einer Theorie der Sprache. 1992 Habilitation zur Poetik der Entzifferung und des Schreibens in Bonn. 1992–1995 Professur für Europäische Literatur der Neuzeit an der Fern-Universität Hagen. Lehrtätigkeit u.a. an den Universitäten in Bonn, Essen und Jena. 1999–2005 Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft. 2002 Max Kade Distinguished Visiting Professor an der University of Notre-Dame, Indiana (USA). Seit 2007 Präsidentin der Jean-Paul-Gesellschaft. 2009 Tateshina Gastdozentur des Japanischen Germanistenverbandes. 2011 Max Kade Distinguished Visiting Professor an der University of Wisconsin-Madison, Madison (USA). Zahlreiche Buchpublikationen, Aufsätze und Herausgeberschaften. Zuletzt erschienen: Poetiken der Verwandlung. Innsbruck, Wien, Bozen: Studienverlag, 2008; Kafka. Epoche – Werk – Wirkung. München: C.H. Beck, 2010; Enzyklopädien des Imaginären. Jorge Luis Borges im literarischen und künstlerischen Kontext. Hildesheim, Zürich, New York: Georg Olms, 2011 (Mhg); Literatur-Comics. Adaptationen und Transformationen der Weltliteratur, in Zusammenarbeit mit Christian A. Bachmann. Berlin, Boston: De Gruyter, 2012.


 

Maria Zinfert: Literaturgeschichte in Graustufen. Fotografien aus dem Deutschen Literaturarchiv Marbach

Archive sind verschwiegen, bemerkte Ulrich Raulff 2006 anlässlich der Ausstellung In der Geisterfalle, daher wisse kaum jemand, dass das Deutsche Literaturarchiv Marbach mit rund 60 000 archivierten Fotografien auch eine National Portrait Gallery sei. Zwar sind die meisten Archivfotos keine Portraits im engeren Sinne, — die Bandbreite archivierter Aufnahmen reicht, über repräsentative Bildnisse hinaus, von fotojournalistischen Dokumentationen diverser Anlässe wie Lesungen, Tagungen, Messen und Preisverleihungen bis hin zu anonymen Schnappschüssen aus dem Privatleben von Autorinnen/Autoren — mit einer nationalen Galerie hat man es dennoch zu tun. Die bewahrten Fotografien sind integraler Teil der Nachlässe von Autorinnen/Autoren deutscher Sprache und deren  literaturarchivarisches Sammeln ist im Traditionszusammenhang einer nationalstaatlich legitimierten Institutionalisierung zu verstehen. Methodisch begründet hat diesen Dilthey in seinem Aufsatz Archive für Literatur (1889), in dem das Literaturarchiv auch ls der Ort konzipiert ist, an dem "das vertrauliche und intime Leben der ersten Schriftsteller" zu bewahren ist. Unter solcher Prämisse haben Fotografien im Literaturarchiv ihren Platz: als Lebenszeugnisse. Die biographische Lesart wird bestärkt durch die autorzentrierte und chronologische Ordnung, der die fotografischen Dokumente als Archivalien unterliegen.
Von diesem historischen Hintergrund ausgehend soll der Tagungsbeitrag demonstrieren, wie ein Unterlaufen der Systematik des Archivs die fotografischen Bestände neu zu sehen erlaubt. Wie ein vom Einzelbild abstrahierender Blick sich der Fülle des Archivs öffnet und zu einer Würdigung des Seriellen gelangt. Entdeckt wird so nicht das einzigartige Foto, sondern vielmehr Typen in der Mannigfaltigkeit der dafür jeweils aufzuweisenden Beispiele. Neben originalen Abzügen umfassen die Archivbestände teils auch dazugehörige Kontakte und/oder Negativstreifen, die zusammen mit darauf befindlichen Markierungen und Kommentaren als Spuren des Entstehens der Aufnahmen gelesen werden können. In der Zusammenschau des Materials lassen sich Fotofolgen einer im Archiv potentiell geborgenen Literaturgeschichte in Graustufen erarbeiten. Resultat des gesamten scripts der großen Themen des Dialogs zwischen Fotografie und Literatur wäre nicht eine mit Fotografien bebilderte Literaturgeschichte, sondern vielmehr eine Literaturgeschichte in fotografischen Bildern. Was keineswegs heißt, dass diese ganz ohne diskursiven Kommentar auskommen muss, bzw. kann. Die Fotofolgen werden jedoch nicht auf eine Funktion als sekundäres Hilfsmaterial reduziert, sondern beanspruchen eigene Gültigkeit. Ein Kontinuum thematisch miteinander verbundener Fotos kann zum einen in seinen jeweiligen narrativen Dimensionen gelesen werden, zum anderen macht es jedes einzelne Foto verständlicher als es in seiner Isolation wäre. Einem positivistischen Missverständnis fotografischer Dokumente als Fenster zur Wirklichkeit wirkt allein schon das sie als Artefakte ausweisende Schwarzweiß entgegen: der Verzicht auf Farbe bedeutet eine medienspezifische Interpretation der Wirklichkeit in Graustufen. Abgelöst von einer Diskussion der Fotografie als Kunst wird auch auf weitere spezifische Eigenschaften des fotografischen Mediums einzugehen sein. Basis des Beitrags ist mein Forschungsprojekt zu Archivfotos aus den Jahren 1900 bis 1979. Aus diesem in drei Phasen gegliederten Zeitraum (1900 bis Mitte 30er Jahre; Mitte 30er bis in die ersten Nachkriegsjahre; von 1948 bis einschließlich 70er Jahre) werden die Fotobeispiele aus dem Deutschen Literaturarchiv Marbach zusammengestellt.

Maria Zinfert, freie Autorin und Übersetzerin, war Wissenschaftliche Mitarbeiterin von Gert Mattenklott am Peter Szondi-Institut der Freien Universität Berlin; Promotion 2002 mit einer Arbeit über die Romane von Victor Segalen. Ihre Schwerpunkte liegen im Bereich der Entgrenzung der Literatur auf Kunstkomparatistik. Zum Gedenken an Gert Mattenklott, (Symposiumsband mit einem vollständigen Verzeichnis der Schriften Gert Mattenklotts), herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Thomas Nehrlich, Friederike Wissmann und Maria Zinfert, (Edition AVL Berlin) Berlin 2012Architektur und Fotografie. Arbeiten außerhalb der Universität sind u.a. Katalog- und Bühnentexte, Ausstellungskonzepte und TV-Dokumentationen. Aktuelle Forschungsprojekte zu Archivfotos deutschsprachiger Autorinnen und Autoren des 20. Jahrhunderts und zu Fotografien und ergänzenden Materialien aus dem Nachlass von Siegfried Kracauer. Veröffentlichungen: Fotografische Zwillinge. Wie sich der Filmtheoretiker Siegfried Kracauer und seine Frau Lili gegenseitig ablichteten / Double Exposure. The private photographs of Siegfried an Lili Kracauer, in: Frieze d/e Ausgabe 7 Winter 2012; Kunstkomparatistik. Zum Gedenken an Gert Mattenklott, (Symposiumsband mit einem vollständigen Verzeichnis der Schriften Gert Mattenklotts), herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Thomas Nehrlich, Friederike Wissmann und Maria Zinfert, (Edition AVL Berlin) Berlin 2012; Point de vue de l’artiste. Victor Segalen: «autartiste», in Voyage à l’envers, Strasbourg 2009; "Große Grüße Dein Glaspapa": Paul Scheerbarts Anteil an Alpine Architektur, in: Christiane Rekade (Hg.), KURATOR 2007/2008, Edition Fink Zürich 2008; Die kurze Spanne zwischen Aufbruch und Rückkehr. Victor Segalens Reisebuch Équipée, in: Umwege. Ästhetik und Poetik exzentrischer Reisen, Bielefeld 2008; Über eine Poetik der Inversion. Die Romane von Victor Segalen, Iudicium Verlag, München 2003

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