ÖAW APART Stipendium für Johanna Chovanec

03.03.2026

Das vierjährige Forschungsprojekt zu Neurodiversität und Literatur widmet sich Texten autistischer Schriftsteller*innen.

Johanna Chovanecs Forschungsprojekt „How to Be Autistic“ – Self-Narration of Neurodifference in Literature“ wird von der Österreichische Akademie der Wissenschaften im Rahmen des APART-Programms gefördert.

Das APART-Projekt ist an der Schnittstelle von Vergleichender Literaturwissenschaft, Health Humanities, Critical Neurodiversity Studies und Critical Autism Studies verortet. Es untersucht zeitgenössische „autistic writings“ als eine sich dynamisch entwickelnde und bislang wenig erforschte literarische Strömung, die von autistischen Autor*innen selbst getragen wird.

Welches Potenzial steckt in Neurodiversität? Diese Frage hat Johanna Chovanec kürzlich der Kulturzeitschrift morgen beantwortet. Hier geht's zum Artikel.

Während kulturelle Darstellungen von Autismus über Jahrzehnte hinweg vorwiegend von nicht-autistischen (neurotypischen) Perspektiven geprägt waren – häufig verbunden mit stereotypen Figuren wie dem weißen, männlichen Savant –, eröffnen autobiografische und fiktionale Texte autistischer Autor*innen neue Innenansichten. Werke wie How to Be Autistic (2019) von Charlotte Poe oder Autistic and Black (2024) von Kala Allen Omeiza pluralisieren den Diskurs, indem sie kulturelle Klischees ebenso hinterfragen wie defizitorientierte medizinische Modelle, die Autismus primär als „Störung“ fassen.

Autistisch verfasste Lebensberichte existieren bereits seit den späten 1980er Jahren. In den letzten zehn Jahren jedoch hat die literarische Produktion autistischer Autor*innen insbesondere im anglophonen Raum deutlich an Dynamik gewonnen und sich in verschiedenste Gattungen hinein ausdifferenziert. Genreübergreifend rücken diese Texte – oftmals aus mehrfach marginalisierten Perspektiven verfasst – gelebte Erfahrungen in den Mittelpunkt. Die literarischen Selbstnarrationen machen deutlich, dass viele Herausforderungen nicht aus vermeintlichen „Beeinträchtigungen“ resultieren, sondern Ergebnis sind von sozialer Exklusion, Stigmatisierung und dem Druck, sich an neuronormative Erwartungen anzupassen.

Johanna Chovanecs Projekt untersucht, wie Autismus – vor dem Hintergrund einer langen (Kultur-)Geschichte fremdzugeschriebener Projektionen – von innen heraus erzählt wird. Im Zentrum stehen Fragen nach autistischer Identität und narrativen Strategien, mit denen autistische Autor*innen Neurodifferenz literarisch artikulieren und zugleich gesellschaftliche Deutungsmuster kritisch reflektieren. (jc)

Johanna Chovanec von der Abteilung für Vergleichende Literaturwissenschaft (derzeit in Karenz) hat das APART-Stipendium der ÖAW erhalten. Foto: Universität Wien / Der Knopfdruecker