Literatur im Gespräch: Gastbesuch Stefanie Jaksch

25.01.2026

Im Kurs „Menstruation als Tabu(bruch) in Literatur und Popkultur“ sprach Stefanie Jaksch über die kürzlich erschienene Anthologie „Bluten“.

Am Mittwoch, 21. Jänner, besuchte die Autorin und Verlegerin Stefanie Jaksch das Konversatorium „Von Carrie zu Cardi B: Menstruation als Tabu(bruch) in Literatur und Popkultur“ an der Abteilung für Vergleichende Literaturwissenschaft.

Gemeinsam mit den Studierenden und Lehrveranstaltungsleiterin Marion Wittfeld sprach sie über ihre im August 2025 mit Magdalena Stammler herausgegebene Anthologie „Bluten“ (Haymon Verlag).

Die Studierende Jacqueline McNichol hat für uns einen Nachbericht über den Gastbesuch verfasst:

Der Besuch von Stefanie Jaksch bot die Gelegenheit, im Kurs behandelte Fragestellungen anhand einer aktuellen literarischen Publikation zu vertiefen. Zu Beginn des Gesprächs stellte Stefanie Jaksch die Entstehungsgeschichte und Konzeption der Anthologie vor. Der Titel „Bluten“ wurde dabei als bewusst körperlich konnotierte und als offene Setzung erläutert, die sich einer eindeutigen metaphorischen Fixierung entzieht.

Das Bluten fungiere vielmehr als semantischer Möglichkeitsraum, in dem Verletzbarkeit, Durchlässigkeit und Grenzerfahrungen thematisch wie formal verhandelt werden. Die versammelten Kurzgeschichten zeichnen sich entsprechend durch eine große ästhetische Bandbreite aus und verzichten bewusst auf eine homogene Schreibweise.

In enger Anbindung an die Themen des Konversatoriums wurde insbesondere die literarische Darstellung von Körperlichkeit, Blut und struktureller Ungleichheit diskutiert. In diesem Zusammenhang verwies Stefanie Jaksch explizit auf patriarchale Machtverhältnisse, die sich nicht zuletzt über den weiblich gelesenen Körper einschreiben. Mit der pointierten Formulierung „Die bluten uns [Frauen] aus“ brachte sie zum Ausdruck, wie ökonomische, soziale und kulturelle Strukturen systematisch auf Kosten weiblicher Körper funktionieren und diese zugleich unsichtbar machen oder tabuisieren.

Blut erscheint in diesem Kontext nicht nur als biologisches Faktum, sondern als politisch aufgeladene Chiffre für Ausbeutung, Kontrolle und fortgesetzte Gewaltverhältnisse. Diese Perspektive ließ sich produktiv mit den im Kurs behandelten Texten und popkulturellen Beispielen verbinden, in denen Menstruation als Marker gesellschaftlicher Grenzziehungen und als potenzieller Ort des Tabubruchs verhandelt wird. Stefanie Jaksch machte deutlich, dass mehrere Beiträge der Anthologie solche Zusammenhänge literarisch aufgreifen, ohne sie auf eindeutige Aussagen festzulegen, und stattdessen Ambivalenzen und Bruchstellen sichtbar halten.

Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs lag auf der Rolle der Herausgeberin. Stefanie Jaksch beschrieb ihre editorische Praxis als dialogischen und prozessualen Vorgang, bei dem sich die innere Struktur der Anthologie erst im Zusammenspiel der einzelnen Texte herausgebildet habe. Ziel sei es gewesen, Relationen, Spannungen und Kontraste zwischen den Beiträgen sichtbar zu machen, ohne deren Eigenständigkeit zu nivellieren.

In der abschließenden Diskussion verbanden die Teilnehmenden diese Überlegungen mit literaturwissenschaftlichen und komparatistischen Perspektiven aus dem Seminar. Der Besuch von Stefanie Jaksch erwies sich damit als inhaltlich eng verzahnter Bestandteil der Lehrveranstaltung und als anregender Impuls für die weitere Auseinandersetzung mit Körperdiskursen, patriarchalen Machtstrukturen und Formen zeitgenössischer Kurzprosa.

Stefanie Jaksch (hinten rechts) im Gespräch mit Studierenden über Blut als literarische und politische Chiffre. Foto: Jacqueline McNichol

Frauen bluten – wortwörtlich wie im übertragenen Sinn. In der im August 2025 erschienenen Anthologie erzählen 15 Autorinnen von Altersarmut, Gewalt, das (Nicht-)Muttersein, Menstruation, Menopause, den Kampf um Existenzberechtigung und faire Behandlung in der Arbeitswelt. Foto: Haymon Verlag

Die Studierenden nutzten die Gelegenheit, Stefanie Jaksch, u.a. Gründerin des Verlags WASSER Publishing, auch Fragen zum österreichischen Literaturbetrieb zu stellen. Foto: Jacqueline McNichol