Fiction

Why nICHt? is a seasonal collection of words and images. We typically publish poetry, short prose and translations, in English, German and French. We also include illustrations and images. These images are important for the reception of the magazine in its entirety, as each image conveys something important about the text.

Why nICHt? encourages submissions from all categories of contributors, including those with no publication experience. The collection also offers editorial internships, particularly to the students of comparative literature at the University of Vienna.

„Jokerman dance to the nightingale tune ...“ Bob Dylan

Sein Name ist Kutzenberger, Stefan Kutzenberger. Der melancholische Österreicher hat den Auftrag, die Welt zu retten, denn er ist der Jokerman. Schuld daran ist kein Geringerer als Bob Dylan, auch wenn der gar nichts davon weiß. All die Menschen, die das Werk des Musikers und Literaturnobelpreisträgers seit Jahrzehnten wie eine heilige Schrift deuten, haben den Jokerman auserkoren, die Wiederwahl eines der bizarrsten Tyrannen unserer Tage ins Weiße Haus zu verhindern.

Mit Verve und Witz zeigt dieser Roman, wie Verschwörungsszenarien entstehen und sich so gut wie alles erklären lässt mit einer „wahren“ Lehre ... Ein entlarvender Spiegel der Gegenwart, eine literarische Entdeckung und ein Riesenspaß – weit über die schicksalhaften US-Wahlen am 3. November hinaus.

Thomas Ballhausens erzählerische Lyrik ist Antike und Zeitgeist, Philosophie und Punk, bringt historische Helden und mythologische Figuren aufs Tapet und greift auf die großen Narrative der Menschheit zurück. Einmal ganz Galan, konziliant in der Wortwahl, einmal tiefgehend mit Wilde'scher Leidenschaft und Verve, dann wieder kaltschnäuzig mit einem kräftigen Schuss noir erzeugen die balladenhaften Texte einen zeitlosen Nachhall. Fragen nach Mechanismen menschlichen Handelns und der Verfasstheit von Ritualen werden laut; der Dichter zerlegt althergebrachte Machtmuster, lässt Geschlechterrollen bersten und bleibt bei all dem ein Erzähler cinematografischen Ausmaßes: Die Intensität der Sprache ist körperlich spürbar. Sie changiert von tabubehaftet zu lustvoll und ergießt sich immer wieder in düstere Wortkaskaden. Der renommierte Fotograf Chris Saupper fungiert als Bildredakteur und hat die Lyrik Ballhausens mit zeitgemäßen visuellen Ergänzungen versehen.

Den Begriff des Tier(reichs) aufnehmend, entwerfen zwölf literarische Texte Ballhausens eine Zoologie des Imaginären. Auf der Basis des vierzehnteiligen mathematischen Denkspiels Stomachion entwickeln die digitalen Zeichnungen Peytchinskas ein Netz, ein sich faltend durch den Buchraum bewegendes theoretisches Tier (Origamion). Seine Linien, die gleichzeitig als Grenze und als Erweiterung von Sprache zu verstehen sind, verschränken sich in ihrer Bewegung mit dem Text. Literatur und Zeichnung treten in Dialog, ein Atlas der Sprachkunst manifestiert sich in Form einer neuen Ordnung.

So wird FAUNA als ein zu öffnender Denkraum erfahrbar, ohne dass die Lesbarkeit dieser künstlerischen Unternehmung beeinträchtigt wird - Zeichnungen und Texte treffen sich als Akteure auf der Bühne des Buchraums.

Alexander Keller ist Fischkenner und betreut Aquarien. Seine neue Freundin Mary nimmt ihn mit zu ihrer Familie – der 90. Geburtstag ihres berühmten Großvaters steht an. Die Feierlichkeiten werden vorbereitet, und Keller befreundet sich mit dem harten, alten Mann. Aber die Katastrophe ist unausweichlich. Ein hochintelligenter, wichtiger Roman über Familie, Kunst und uns.

Alexander Keller hat ein Händchen für Fische und setzt dieses äußerst lukrativ um - in Fischzucht, Aquariumsbetreuung und Gastronomie. Keller liebt Fische - lebendig, roh, gebraten. Diese Ambivalenz zwischen Fürsorge und Verschlingen zieht sich durch sein ganzes Leben. Kellers Freundin Mary, Enkelin des berühmten Künstlers und Gartenarchitekten Akira Benshi, stellt Keller kurz vor dem 90. Geburtstag ihres Großvaters ihrer Familie vor. Und es wird familiär kompliziert: Die Eltern definieren sich ausschließlich über Benshis Kunst, Benshi selbst schweigt, seit er seine Familie beim Atombombenabwurf über Nagasaki verloren hat. Doch als er Keller Fisch essen sieht, bricht er sein Schweigen...

Rasant, skurril, selbstironisch: Stefan Kutzenbergers Romandebüt über einen verhinderten Autor und einen abenteuerlichen Politskandal.

Kutzenberger hat einen Schreiburlaub in Griechenland geschenkt bekommen. Jetzt könnte er endlich seinen Roman anfangen, wäre da nicht Friedinger, der ihm eine abenteuerliche Geschichte von verbotenen Waffenlieferungen und heimtückischen Morden erzählt, einem Skandal, in den die Spitzen der Politik verwickelt sind. Zu wem wollte der Pakistani, dessen Leben auf dem Linzer Voest-Parkplatz jäh endet? Was will der anonyme Anrufer, der Friedinger vor der Gefahr warnt, in der er nun schwebt, und warum führt eine Spur nach Amstetten? In Kutzenbergers Roman über Kutzenberger wechseln Zeit- und Handlungsebenen in rasantem Tempo, und Autor und Held drehen sich ebenso kunstvoll wie selbstironisch um sich selbst.

sie an ihrem Span
ihren zarten, stummen
Kniekehlen
erkennen;
das wächserne Tuch zurückschlagen
von der geschundenen Nacktheit
augenblicklich: gequält sein
trotz schmerzendem Blick
zwanghaft Wunden betasten
einen Hauch von Kupfer schmecken
die Nähte entlangtasten
wie um sich
zu: versichern

Mehrere Jahre hat Waterhouse an seinem neuen Roman gearbeitet, und wie die Zeitumstände es wollen, sind "Die Auswandernden" nicht nur ein großes Sprachkunstwerk, sondern auch von hoher aktueller Relevanz. Das Buch erzählt von der aus einem kaukasischen Dorf nach Österreich geflüchteten Media, von ihrem Ringen mit der fremden Sprache, den Abgründen eines Asylverfahrens, von absurd anmutenden Einvernahmen, Protokollen und Bescheiden, kafkaesken Ämtern und Gerichten. Gleichzeitig ist "Die Auswandernden" aber auch ein Liebesroman. Ein Roman über die Liebe des Autors zu Menschen am Rande der Gesellschaft, und ein Roman über seine Liebe zur Sprache, zu Wörtern und Wortklängen, zu Sinnschärfung und Sinnerweiterung. Mehr denn je offenbart sich Waterhouse als radikaler Spracharbeiter, als leidenschaftlicher Erforscher ihrer Bruchstellen und Schwellen, ihrer Entwicklungslinien und Bedeutungsverzweigungen.

Ein Sommer in Wien.

Nach monatelangem Warten hat Wolf nun endlich den erlösenden Anruf erhalten: „Das ist Ihr Chef, der Sie anruft“, sagte der Mann am anderen Ende. Den Job in der Tasche, müsste er eigentlich zufrieden sein. Stattdessen entpuppt sich das Wegfallen seines vermeintlich größten Problems als der Moment seiner größten Hilflosigkeit.

Hilflos ist auch der achtjährige Michael, der gerade mit Onkel und Tante schöne Ferien verbringen soll und krank wird. Was von außen wie eine harmlose Grippe wirkt, wird für Michael zu einer Ewigkeit aus Selbstvorwürfen, Fieber und Albträumen.

Beider Umfeld glaubt an die Zukunft und sieht keine Schwierigkeiten. Doch im schnellen Wechsel der Perspektiven erleben wir, wie Kind und Mann in der Gegenwart um das Überleben kämpfen.

Ein altes leerstehendes Haus wird zum Grab einer vergangenen Jugend, ein Chefkartograf erzählt von seinem letzten großen Auftrag, und ein Geschichtsschreiber findet sich in einer scheinbar ausweglosen Situation unter der Erde wieder.

Vieles in Thomas Ballhausens Erzählungen passiert im Kopf der Figuren und in einer anderen Wirklichkeit. Gedanken und Beobachtungen werden exakt aufgezeichnet, nicht ohne dabei auch rätselhaft und magisch zu sein. Zu Komplizen werden die Texte bei ihrer Sprache, die dynamisch und poetisch zugleich ist, und beim fast ehrfürchtigen Spiel mit der Literatur und der Musik.

Ein "guter Junge" und Geschäftsmann erzählt die Geschichte seiner Liebe zu Bernadette. Beim gedankenlosen Streicheln entdeckt er ei­nen Knoten in ihrer Brust und entscheidet – nichts zu tun. Aus dieser Grundkonstellation entwickelt sich das Bild einer ganzen Familie, eines Aufstieges, in dem es sich scheinbar gut leben ließe; bis das Bild zerbröckelt und den Blick in eine Hölle freigibt, in der allein das Schöne Rettung verspricht.

In seiner eleganten, lyrischen Prosa gelingt es Ferstl jenes "tanzende Flimmern", das seine Detailaufnahmen darstellen, "ins Offene" und Große zu entsenden.

 

Eberhard Stadlhofer wohnt alleine, arbeitet im Supermarkt und ist am zufriedensten, wenn er unbehelligt bleibt – bis ihn der Anruf des von der Mutter verstoßenen Bruders nach Dortmund lockt, wo dieser als Schlagzeuger ein ideales Leben zu führen scheint. Eberhard stürzt sich ins Zwielicht seiner erträumten Existenz zwischen verqualmten Backstageräumen und donnernden Akkordfolgen, um zu erkennen, daß nichts im Leben so ist, wie man es sich zurechtlegt.

Mit einem Nachwort von Jack Hauser. Erzählung.

Seit er ihr, der geheimnisvollen Frau, begegnet ist, hat sich alles verändert. Sie ist verführerisch und bedrohlich zugleich, was sie anfasst, verglüht und zerfällt zu Asche. Und sie sehnt sich danach, ihn anzuzünden und in Flammen brennen zu sehen. In Büchern in einer Bibliothek hinterlassen sie verschlüsselte Botschaften und Nachrichten aneinander. Längst hat sie ihn in ihren Bann gezogen, und doch entzieht sie sich ihm immer wieder. Er folgt ihren Spuren, verbirgt sich hinter Masken und fremden Namen - und erwartet vor einem apokalyptischen Hintergrund das unausweichliche Ende ihres Spiels.

Im Osten von Wien, auf dem ehemaligen Flugfeld Aspern, wird zur Zeit eines der größten Wiener Stadtentwicklungsprojekte umgesetzt: "aspern Die Seestadt Wiens". Noch bevor die ersten Häuser standen, ermöglichte die Betreibergesellschaft "wien3420" ein Kulturprogramm, das die "Stadtwerdung" begleitet. So wurden - unüblicherweise - auch drei Stadtschreiber für die im Entstehen begriffene Stadt engagiert.

Thomas Ballhausen, Andrea Grill und Hanno Millesi, drei wichtige literarische Stimmen ihrer Generation und etabliert in der österreichischen Literaturszene, haben sich - ausgehend vom Vorhaben "Seestadt" - u.a. mit Urbanität im Allgemeinen, dem Entstehen von urbanen Zentren, den Modellen für das Zusammenleben von Menschen, aber auch mit Aspern und seinem historischen Hintergrund auseinander gesetzt. Die so entstanden literarischen Texte versammelt der Band.

Die Figuren in Thomas Ballhausens Erzählungen flüchten - an namenlose Orte, in fremde Räume, in die Heimat anderer. Ihre Flucht ist zugleich immer auch eine Suche nach dem, wovor sie fliehen - eine Bewegung, in Wirklichkeit und in Gedanken, die zwangsläufig an ihren Anfang zurückführt. Unterwegs sind sie allein oder unter Freunden und bleiben doch stets ohne tatsächliche Gefährten.

Ballhausen verwebt präzise Beobachtungen und Sprachbilder zu einer luziden Oberfläche, unter der zutiefst menschliche Leidenschaften und Sehnsüchte brodeln. Hier trifft die Liebe auf ihr Scheitern, die Stille auf ihre Widerworte, die Gegenwart auf ihre Vergangenheit.

Und Ballhausen versteht es wie kein anderer, sich verschiedene Schreibweisen zunutze zu machen: Während er in die fließende Form der Erzählung die Auseinandersetzung mit Geschichte, Schuld und Gedächtnis einschreibt, bricht in seiner rhythmischen Prosa der lebendige Moment durch. Auf beiden Wegen kommt einem Thomas Ballhausen gefährlich nahe - er schreibt an jeden von uns.

Dies ist ein langsames Buch, eines, das zunächst gar nicht geschrieben werden wollte, dann aber, ungezwungen hergeleitet, Seite um Seite entstanden ist, so wie, Schritt für Schritt, die ziellosen Spaziergänge immer wieder aufgenommen wurden, die der Autor an den Rändern der Stadt gemacht hat.
Vieles, was durch den Kopf geht, hält sich dort eine Weile auf, wird festgehalten, verbindet sich mit anderem. Was die Augen auf den Wanderungen entdecken, wird bedrängt von politischen Wahrnehmungen: die Proteste der Studenten im Auditorium Maximum, vor dem die Polizei steht, die sich in einer Oktobernacht zusammen mit den Ermittlern des Landesamtes für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung auch um junge Leute kümmert, die in einem leeren Volksschulhaus Quartier, Arbeit und ein Zusammenleben gefunden hatten. Internatsschüler heißen auf einmal Schutzbefohlene. Befohlene?

Immer wieder war der Vater fort, ohne Ankündigung und auf unbestimmte Zeit. Kehrte er dann wieder, erzählte er nichts. Einmal, er war für drei Wochen im Dschungel Malaysias gewesen, konnte er dem Kind nicht in die Augen schauen. An solchen Zeichen nur entzündeten sich Ahnungen. Es sind Nachkriegszeiten, und es ist Kriegszeit, die Zeit der Malaya Emergency; und die Arbeit in geheimer Mission schafft schwierige Bedingungen für Frau und Kind.
Was bedeuten solche Ungewißheiten, Lücken für Versuche der Rekonstruktion? Wie denkt man in der Folge über Abwesenheit/Anwesenheit (tot/lebendig) nach? Und wie schlägt sich das in der literarischen Form nieder? Wo ist die Welt? Was ist die Welt?