Ludwig Tiecks Bibliothek. Anatomie einer romantisch-komparatistischen Büchersammlung

  • FWF-Projekt P 32038
  • Projektleitung: Univ.-Prof. Dr. Achim Hölter, M.A.
  • Laufzeit: 01.10.2014–30.09.2018, Verlängerung: 2019–2022

Das Forschungsprojekt Ludwig Tiecks Bibliothek. Anatomie einer romantisch-komparatistischen Büchersammlung rekonstruiert seit 2014 virtuell die Bibliothek des deutschen Romantikers Ludwig Tieck (1773–1853). Tiecks Büchersammlung – so die zentrale These – stellt eine wissenschaftliche Privat- und Dichterbibliothek dar, die in idealer Weise die Grundlage für Lese- und Schreibweisen verkörpert, die als genuin komparatistisch beschrieben werden müssen. Die Rekonstruktion und Würdigung dieser Bibliothek, die seltene, wertvolle Drucke von der Renaissance und dem Siglo de oro bis hin zu Tiecks Gegenwart enthielt und in einer Berliner Auktion 1849/50 verkauft wurde, stellt in der Erforschung der europäischen Romantik und dem systematischen Erfassen und Evaluieren protokomparatistischer Büchersammlungen eine Pionierarbeit dar.

Ziel des Projektes ist es u.a., Tiecks Buchbesitz möglichst genau abzubilden und die tausenden Bücher, die sich einst in seinem Besitz befanden, nach gegenwärtigen bibliographischen Standards in einer Open-Access-Datenbank  zu erfassen. Die Datenbank versteht sich als virtuelle Version von Tiecks Bibliothek. Ihr Inhalt beruht dabei maßgeblich auf dem Auktionskatalog des Antiquariats Adolf Asher, der für die Versteigerung der Tieck'schen Büchersammlung zwischen dem 18. Dezember 1849 und dem 10. Januar 1850 erstellt wurde. Exemplare des Catalogue de la bibliothèque célèbre de M. Ludwig Tieck qui sera vendue à Berlin le 10. décembre 1849 et jours suivants par MM. A. Asher & Comp. (Berlin 1849) finden sich heute etwa in den Beständen der Bayerischen Staatsbibliothek oder der Universitätsbibliothek Heidelberg.

Erstmals seit ihrer Zerstreuung auf Bibliotheken und private Büchersammlungen in ganz Europa wird eine der bedeutendsten Dichterbibliotheken der Literaturgeschichte durch die Datenbank virtuell rekonstruiert und erfahrbar gemacht. Dabei wird auch die komplexe Auflösungsgeschichte der Bibliothek erfasst, indem die Provenienz der Bücher vor und nach der Versteigerung der Bibliotheca Tieckiana verzeichnet wird. Darüber hinaus werden Zeugnisse zum Buchbesitz und Lektürekosmos Tiecks in Briefen und weiteren historischen Quellen ebenso berücksichtigt, wie die materiellen Eigenschaften bereits lokalisierter Bände und deren digitale Ausgaben. Seit 2015 konnten mehr als 4.000 Bände aus Tiecks Besitz in ganz Europa lokalisiert und gesichtet werden – unter anderem in Berlin, Göttingen, Halle, London, München, Wien und Wrocław. Weitere Bände befinden sich wahrscheinlich in Moskau und St. Petersburg, sowie an weiteren europäischen Bibliotheken und in Privatbesitz. Viele davon weisen Marginalien und Besitzeinträge Tiecks oder Widmungen an ihn auf.

In einer zweiten Recherchephase werden aktuell weitere Bibliotheken gesucht, die 1849 Bücher aus der Auktion der Bibliotheca Tieckiana erworben haben. Dabei hoffen wir bei unserer Forschung zur Bibliotheks- und Buchhandelsgeschichte auch auf Unterstützung von BibliothekarInnen. Eine Übersicht über Provenienzmerkmale, die Bücher aus Tiecks Bibliothek aufweisen können und über Indizien, die für Erwerbungen aus der Auktion 1849/50 sprechen, finden Sie hier auf Deutsch und auf Englisch.

Gerne nehmen wir auch Hinweise auf Bücher aus Tiecks Bibliothek entgegen, die sich heute in Privatbesitz befinden.

Umfassende Projektbeschreibung zum Download (englisch).

 

Gegenwärtige ProjektmitarbeiterInnen:

  • Mag. Dr. Paul Ferstl (seit 10/2014)
  • Clara Kollmann (seit 03/2020)
  • Theresa Schmidt, MA (seit 10/2015)

 

Ehemalige Projektmitarbeiterinnen:

  • Dr.in Katharina Edtstadler, MA
  • Mag. Katharina Gratz (in Kooperation mit der ÖNB)
  • Constanze Prašek, BA
  • Julia Schneidhofer, BA
  • Zarah Weiss, MA

 

 

 

Schematische Darstellung der Tieckschen Bibliotheksverkäufe